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HEBEN UND TRAGEN
 

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Heben und Tragen




 

Die Wirbelsäule hält den menschlichen Körper aufrecht. Zwischen den einzelnen Wirbeln sitzen die Bandscheiben als Gelenkflächen. Übermäßige Belastung, z. B. durch falsches Heben und Tragen, kann Wirbel und Bandscheiben schädigen. Besonders gefährdet ist der untere Bereich der Wirbelsäule, die Lendenwirbelsäule.


 



 

Die Wirbelsäule ist eine Kette von aufeinandergereihten Wirbeln, die von Bändern zusammengehalten werden und die über die Rückenmuskulatur stabilisiert werden. Beweglichkeit und vertikale Elastizität werden durch Bandscheiben ("Stoßdämpfer".) zwischen den einzelnen Wirbeln gewährleistet. Bei geradem Rücken werden die Bandscheiben gleichmäßig auf Druck belastet. Beim gebeugten Rücken werden die Bandscheiben vor allem im unteren Bereich der Wirbelsäule (Lendenwirbelsäule) ungleichmässig und am vorderen Rand besonders belastet.
Beim Heben und Tragen sollte immer eine gerader Rückenhaltung angestrebt werden, damit die Bandscheiben nicht ungleichmäßig belastet werden.


 



 

Bei aufgerichtetem Oberkörper entspricht das Gewicht, das auf den unteren Bandscheiben (Lendenwirbelsäule) lastet, etwa dem Gewicht des Oberkörpers. Bei einem nach vorne gebeugten Oberkörper vergrößert sich durch die Hebelwirkung die Last auf die unteren Bandscheiben rasch auf das 3 bis 5fache. Wenn in dieser Stellung ein Gewicht von 50 kg gehalten wird, beträgt das Gewicht, das auf den unteren Bandscheiben lastet, etwa 960 kg ! Um die Belastung des Rückens klein zu halten, muss ein Gewicht daher immer so nahe wie möglich am Körper (körperschwerpunktsnah) gehoben oder getragen werden.


 

Eine Last „wird schwerer“, je weiter sie vom Körper entfernt ist!
Daher sollte eine Last nicht zu voluminös sein, damit man sie nahe an den Körper heranziehen kann. Sie soll in einer Höhe zwischen 70 cm und 110 cm über dem Boden an entsprechend ausgeformten Griffen greifbar sein. Die Last muss frei zugänglich sein, und Bewegungsabläufe dürfen nicht durch beengte Platzverhältnisse behindert werden. Leider halten sich Lieferanten und Produzenten von gewichtigen Lasten, die bewegt werden müssen, nicht an diese ergonomischen Forderungen. Wenn immer möglich sollten Hebehilfen zur Entlastung des Rückens eingesetzt werden.





Arbeitshilfen entlasten den Rücken!




 

Gerade im Gesundheitswesen und in der Arztpraxis bietet die zu bewegende Last, nämlich der Patient, diese ergonomischen Idealvoraussetzungen leider auch nicht.
Im Gegensatz zu nicht lebendigen Lasten mit ausgeformten Griffen sind Menschen (z.B. ältere, hilfsbedürftige Patienten) nicht leicht greifbar. Sie sind meistens sehr schwer, weich, beweglich und eigenwillig. Auch besteht die Gefahr, einen Patienten plötzlich aus dem Griff zu verlieren. Beim unüberlegtem Heben und Tragen oder Stützen eines Patienten sind plötzliche Überbeanspruchungen des Rückens durch Abrutschen des Patienten möglich. Man soll daher immer daran denken, wie man den Patienten heben, tragen, stützen, drehen oder ziehen will. Grundsätzlich sollte vorher überlegt werden, ob man eine oder mehrere Kolleginnen zu Hilfe rufen soll.


Heben und Tragen planen!




 

Um Rückenbeschwerden und Belastungen vorzubeugen sind möglichst Grenzwerte einzuhalten:
- allgemein sollten Frauen keine Lasten über 40 kg, Männer keine Lasten über 50 kg allein tragen,
- zur Berechnung von Grenzlasten existieren Empfehlungen, z. B. die des Bundesarbeitsministers vom 1. Oktober 1981:

Zumutbare Lasten (kg)
Häufigkeit von Heben und Tragen



 
Lebensalter  Frauen (gelegentlich)  Männer (gelegentlich)  Frauen (häufig)  Männer (häufig) 
15-18  15 (1)  35 (1)  10 (2)  20 (2) 
19-45  15 (1)   55 (2)  10 (2)  30 (2) 
>45  15 (1)   45 (2)  10 (2)  25 (2)  



 

gelegentlich: maximal 2 Mal pro Stunde und bis zu 4 Schritten

häufig: mehr als 2 Mal pro Stunde und mehr als 4 Schritte

(1) Grenzwert, darf ohne Gesundheitsgefährdung nicht überschritten werden
(2) aus ergonomischer Sicht empfohlene Werte


Vorbeugungsmaßnahmen für die Praxis




 
1. Die zu hebende und zu tragende Last so gering als möglich halten(= Minimierung axialer Druckkräfte).
2. Die Last mit "gestrecktem Rücken", d. h. mit gebeugten Knien anheben (weitgehende Aufrechterhaltung der physiologischen Krümmung der Wirbelsäule und damit Erhaltung der Dämpfungs- und Federungsfunktion und Vermeidung ungleicher Kraftverteilungen in der Bandscheibe).
3. Lasten direkt vor dem Körper aufnehmen und absetzen (= Vermeidung von Rotations- und Scherkräften
4. Ununterbrochenen Trageweg und damit Tragezeit sowie gebeugte und gebückte Körperhaltung so gering als möglich halten (Aufrechterhaltung der Nährstoff- und Sauerstoffzufuhr). Beim Einlegen von Pausen sollte die Last in Greifraumhöhe "geparkt" werden.
5. Ruckartiges Anheben der Last unbedingt vermeiden (= Erhaltung des Faserringes der Bandscheiben). Zudem können durch regelmäßige Übungen zur Körperhaltung, die ein gezieltes Training von Rücken- und Bauchmuskulatur einschließen ("Rückenschulen"), die körperlichen Voraussetzungen zur Bewältigung von Arbeitsanforderungen beim Heben und Tragen von Lasten verbessert und Schäden der Wirbelsäule wirksam entgegen getreten werden.



 

“Kopf”, Beine und Arme zum Heben nutzen
- aber nicht das Kreuz
- und beim Heben und Tragen Haltung bewahren !